Phase 1 von 4

    Einstieg & Ankommen

    Die meisten Methoden hier sind für die klassische Seminargröße gebaut: 8 bis 20 Personen, meistens zwölf. Bei den beiden Aufstellungen habe ich bisher keine Obergrenze herausgefunden. Deshalb steht dort keine Gruppengröße.

    Soll am Anfang jede Person etwas sagen, plane ich höchstens 20 Minuten für den Einstieg ein. In Kleingruppen und mit Abwechslung darf es länger dauern.

    Welche Methode passt, entscheidet das Lernziel und nicht das Tool. An einem Seminartag setze ich meistens zwei ein.

    Valentin Rausch am Flipchart mit einem QR-Code, vor einem Halbkreis aus Sitzenden. Flipchart-Zeichnung.

    Ausreden-Challenge

    Gruppe: 8 bis 20 Personen, klassisch 12

    Beteiligung und Gruppendynamik spielerisch aktivieren.

    Ziel

    Energie + Einstieg: schnell lachen, Gruppe öffnen, Beteiligung sofort hoch.

    Umsetzung

    Situation wählen → QR teilen → Ausreden sammeln → Voting starten → Gewinner feiern.

    Alternativen

    Warm-up, Übergang, Kommunikations- oder Fehlerkultur-Impuls, Themen-Einstieg.

    Ausführliche Anleitung

    Ziel

    Du erzeugst sofort Beteiligung, Leichtigkeit und Gruppendynamik, ohne lange Anmoderation. Die Teilnehmenden sind in Sekunden „drin", weil jeder eine Idee beitragen kann – auch zurückhaltendere Personen, da sie kurz über das Gerät liefern können. Gleichzeitig bekommst du ein gemeinsames Erlebnis (Lachen, Staunen, Überraschung), das als emotionaler Anker für den Start wirkt.

    Umsetzung

    • Vorbereitung: Wähle 3–10 passende Situationen (oder nutze vorgegebene) und aktiviere sie.
    • Start: Zeige eine Situation groß an und gib den QR-Code frei.
    • Sammeln: Teilnehmende senden ihre Ausrede. Warte 30–90 Sekunden.
    • Voting: Starte das Voting. Spiele 1 Runde oder mehrere Runden.
    • Moderation: Lies 2–3 Highlights vor, würdige Kreativität, kröne die beste Ausrede.
    • Taktung: Einstieg 1–2 Situationen (3–6 Min.), Energizer 3–5 Situationen (8–12 Min.).

    Alternative Einsatzmöglichkeiten

    • Übergang / Re-Aktivierung: Nach einem Block 1 schnelle Situation als Reset.
    • Fehlerkultur: Danach: „Was wäre eine erwachsene Alternative zur Ausrede?"
    • Kommunikation: Ausreden-Muster sammeln und besprechen.
    • Rollen & Perspektiven: „Gib die Ausrede als Chef, als Azubi, als Kunde."
    • Themen-Einstieg: Situationssets pro Thema (Meetings, Zeitmanagement, Service).

    Altersrad-Story

    Dauer: etwa 10 Minuten bei 5 ErzählendenGruppe: 8 bis 20 Personen, klassisch 12

    Locker ankommen und elegant ins Thema überleiten.

    Ziel

    Schnell Verbindung herstellen, ohne Vorstellungsrunde.

    Umsetzung

    Kurz ansagen, drehen lassen, Redezeit im Blick behalten, Thema sauber andocken.

    Alternativen

    Nach Pausen, als Übergang oder als Abschlussfrage mit Rückblick.

    Ausführliche Anleitung

    Ziel

    Leichtes Ankommen über eine kurze, oft humorvolle Mini-Story. Die Gruppe lernt sich kennen, ohne dass alle gleichzeitig reden müssen. Du erzeugst schnell „Menschen statt Rollen", ohne in eine klassische Vorstellungsrunde zu rutschen.

    Umsetzung

    • Im Zufallsgenerator das vorbereitete „Altersrad" auswählen.
    • Ansage: „30–60 Sekunden, eine kleine Szene oder Erinnerung reicht."
    • Eine Person dreht, bekommt eine Zahl (Alter) und erzählt eine Mini-Story.
    • Mit 5 Erzählenden dauert die Runde etwa 10 Minuten, danach bewusst ins Thema überleiten.
    • Moderation: nicht tief nachfragen, eher wertschätzen und verbinden.

    Alternative Einsatzmöglichkeiten

    • Nach der Pause: 1–2 Stories als Re-Aktivator.
    • Übergang: „Welche Erfahrung von damals hilft dir heute im Job?"
    • Abschluss: „Was würdest du deinem Ich von damals heute mitgeben?"
    • Transfer: „Welche Fähigkeit aus dieser Zeit zahlt heute auf deine Arbeit ein?"

    Gemeinsamer Startpunkt

    Gruppe: 8 bis 20 Personen, klassisch 12

    Ein gemeinsames Lagebild als Start für deine Moderation.

    Ziel

    Sofort ein Lagebild: Du siehst Energie/Klarheit/Fokus der Gruppe auf einen Blick.

    Umsetzung

    3–10 Fragen → alle gleichzeitig → Muster spiegeln → Startmodus ableiten.

    Alternativen

    Erwartungen, Zwischenstand nach Block, Abschluss-Standbild, Transfer-Check.

    Ausführliche Anleitung

    Ziel

    Schnell ein gemeinsames Lagebild herstellen (Fokus, Energie, Klarheit) – ohne lange Runde. Du bekommst eine sichtbare Grundlage für deine Moderation und kannst Tempo, Struktur und Methoden passend justieren. Ich nutze das häufig, um einzuschätzen, wie erfahren die Teilnehmenden sind und wo sie stehen.

    Umsetzung

    • 3–10 Skalenfragen wählen (z. B. „Wie klar ist dein Fokus heute?"). Weniger als 3 nimmt das Tool nicht an.
    • Alle positionieren sich gleichzeitig (keine Erklärpflicht).
    • Du spiegelst Muster: „hoch / niedrig / breit verteilt" – ohne Ursachenanalyse.
    • Optional: „Was braucht ihr, damit es heute gut klappt?" (1 Satz pro Person).
    • Direkter Start: „Dann arbeiten wir heute so, dass wir am Ende auf 8 kommen."

    Alternative Einsatzmöglichkeiten

    • Erwartungen: „Wie klar sind deine Erwartungen?"
    • Zwischenstand: „Wie sicher fühlst du dich in der Anwendung?"
    • Abschluss: „Wie zufrieden gehst du raus?"
    • Transfer: „Wie realistisch ist die Umsetzung in deinem Alltag?"

    Aufstellung auf der Linie

    Dauer: unter fünf Minuten bis zum Gespräch über das Bild

    Auf einer Linie setzt jede Person einen Punkt, und die Verteilung wird sichtbar.

    Ziel

    In unter fünf Minuten sehe ich, wo die Gruppe steht. Für sehr emotionale Fragen nehme ich die Aufstellung nicht.

    Umsetzung

    Linie anlegen → Frage sprechen → Punkte setzen lassen → einzelne Punkte und das Gesamtbild ansprechen.

    Alternativen

    Vorerfahrung, Einschätzung zu einer These, Zwischenstand, Evaluation mit Zahlen an der Achse.

    Ausführliche Anleitung

    Ziel

    Ich lasse die Gruppe sich auf einer Linie verorten. Das läuft bei mir in der Regel namentlich, wie in Präsenz auch. Eine Aufstellung lebt von der Gruppe und vom Verorten.

    Danach spreche ich einzelne Punkte an und das Gesamtbild, und bis dahin vergehen unter fünf Minuten. Schiefgegangen ist mir damit bisher nichts.

    Für sehr emotionale Themen taugt die Aufstellung nicht. „Wie sehr mögt ihr den Chef?“ frage ich hier nicht. Namentlich und emotional geht zusammen nicht.

    Umsetzung

    • Anlegen: Auf dem Metaplanboard eine Aufstellung als Linie anlegen.
    • Frage stellen: Ich spreche die Frage aus und tippe sie nicht ein. Im Feld steht schon „Wo stehst du?“, und das trägt jede gesprochene Variation.
    • Pole beschriften: Ich mache das selten. Wer Sicherheit und Vorbereitung braucht, beschriftet sie. Es ist eine Frage, wie viel Sicherheit du möchtest.
    • Vorbereiten: Ich notiere mir gerne kurz Fragen und passe sie spontan an.
    • Verschieben ist erlaubt: Jede Person kann ihren Punkt in derselben Runde beliebig oft verschieben. Es gibt keinen Absendeknopf.
    • Nachfragen: „Bei welcher Zahl genau stehst du?“ Manchmal bewegen sich die anderen dann noch.
    • Zahlen an der Achse: Nutze ich selten, eher zur Evaluation.
    • Zeigen: Teilnehmende sehen nur den eigenen Punkt. Ohne geteilten Bildschirm entfällt die Wirkung.
    • Neue Runde: Aktivierst du dieselbe Aufstellung erneut, sind alle Punkte der Vorrunde weg.
    • Namentlich oder anonym: Umschalten geht nur zwischen zwei Runden.
    • Danach: Screenshots mache ich keine. Das Bild gilt für den Moment.

    Alternative Einsatzmöglichkeiten

    • Vorerfahrung: „Wie viel hast du mit dem Thema schon gemacht?“
    • These: Eine zugespitzte Aussage an die Linie legen und die Gruppe sich verorten lassen.
    • Zwischenstand: Nach einem Block dieselbe Frage noch einmal stellen. Die Punkte der Vorrunde sind dann weg.
    • Evaluation: Zahlen an die Achse legen und nach der genauen Zahl fragen.
    • Statt Skalenfragen: Aufstellung immer, wenn ich flexibel und namentlich sein will. Aber es ist manchmal auch eine Laune.

    Aufstellung auf der Landkarte

    Dauer: unter fünf Minuten bis zum Gespräch über das Bild

    Auf einer Landkarte setzt jede Person einen Punkt an ihren Ort.

    Ziel

    Die Landkarte zeigt in unter fünf Minuten, woher die Gruppe kommt.

    Umsetzung

    Karte wählen → Frage sprechen → Punkte setzen lassen → einzelne Punkte und das Gesamtbild ansprechen.

    Alternativen

    Anreise, Standorte im Unternehmen, Gruppen aus mehreren Ländern, Reiseziele.

    Ausführliche Anleitung

    Ziel

    Die Landkarte verortet die Gruppe geografisch. Das läuft bei mir in der Regel namentlich, wie in Präsenz auch. Eine Aufstellung lebt von der Gruppe und vom Verorten.

    Danach spreche ich einzelne Punkte an und das Gesamtbild. Bis dahin vergehen unter fünf Minuten. Kommen alle vom selben Standort, bleibt die Karte leer und die Methode trägt nicht.

    Umsetzung

    • Karte wählen: Fünf Vorlagen stehen bereit: Deutschland mit Bundesländern, Deutschland als Umriss, DACH, Europa und die Weltkarte.
    • Voreinstellung: Beim Anlegen auf dem Board ist Deutschland bereits gesetzt.
    • Frage stellen: Ich spreche sie aus. Im Feld steht schon „Wo stehst du?“, und das trägt jede gesprochene Variation.
    • Genau treffen: Auf Europa und der Weltkarte hilft eine Lupe beim Setzen des Punktes.
    • Verschieben ist erlaubt: Jede Person kann ihren Punkt in derselben Runde beliebig oft verschieben.
    • Zeigen: Teilnehmende sehen nur den eigenen Punkt. Ohne geteilten Bildschirm entfällt die Wirkung.
    • Neue Runde: Aktivierst du dieselbe Aufstellung erneut, sind alle Punkte der Vorrunde weg.
    • Danach: Screenshots mache ich keine. Das Bild gilt für den Moment.

    Alternative Einsatzmöglichkeiten

    • Anreise: „Woher reist du heute an?“ auf der Deutschlandkarte.
    • Deutschsprachiger Raum: DACH für Gruppen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
    • Mehrere Länder: Europa oder die Weltkarte für internationale Gruppen.
    • Reiseziele: „Wo warst du zuletzt im Urlaub?“ auf der Weltkarte.

    Erwartungen ohne Wunschkonzert

    Gruppe: 8 bis 20 Personen, klassisch 12

    Erwartungen sichtbar machen und realistisch einordnen.

    Ziel

    Erwartungen sichtbar machen, ohne Endlosdiskussion – und sauber an Agenda andocken.

    Umsetzung

    Eine Karte pro Person → Farben = Kategorien → live clustern → kurz verdichten.

    Alternativen

    Vorwissen, Hürden, Ziele, Priorisierung per Klebepunkt-Voting.

    Ausführliche Anleitung

    Ziel

    Erwartungen sammeln, strukturieren und als Orientierungsrahmen nutzen – ohne Wunschkonzert. Du erzeugst Transparenz und senkst Reibung, weil klar ist, was heute passiert (und was nicht). Ich setze das vor allem in Excel-Seminaren ein; 2–3 Punkte parke ich im Schnitt und schaue dann, wo sie sich unterbringen lassen.

    Umsetzung

    • Aufgabe: „Schreibe eine Erwartung als kurzen Satz: ‚Am Ende möchte ich …'"
    • Farben als Kategorien (z. B. Blau = Inhalte, Gelb = Arbeitsweise, Grün = Transfer).
    • Du clusterst live und fasst in 2–3 Sätzen zusammen.
    • Du dockst an die Agenda an: „Das passt hier rein / das parkieren wir / das priorisieren wir."
    • Optional: Klebepunkt-Voting auf die Top-Themen. Pro Person sind 1 bis 10 Stimmen möglich, der Geltungsbereich ist wählbar.

    Alternative Einsatzmöglichkeiten

    • Vorwissen: „Was weißt du schon?" (Farben = Themenfelder)
    • Hürden: „Was könnte schwierig werden?" (Farben = Rahmen/Technik/Inhalt)
    • Ziele: „Woran würdest du merken: heute war es gut?"
    • Priorisierung: Karten clustern, danach mit Klebepunkten auf die wichtigsten Themen abstimmen

    Stimmungs-Wortwolke

    Gruppe: 8 bis 20 Personen, klassisch 12

    Mit einem Wort ankommen – anonym, sichtbar, sofort.

    Ziel

    Stimmungsbild der Gruppe in 60 Sekunden – ohne dass jemand sprechen muss.

    Umsetzung

    Wortwolken-Folie anlegen → Frage stellen → QR teilen → Wolke live wachsen lassen.

    Alternativen

    Energie-Check, Erwartungs-Schlagwort, Tagesform, Vorwissen.

    Ausführliche Anleitung

    Ziel

    Ein anonymes Stimmungsbild senkt die Einstiegshürde: Alle dürfen mitmachen, auch zurückhaltende Personen. In meinen Seminaren machen hier alle mit. Weil es anonym ist, tauchen auch negative Wörter auf. Genau das zeigt mir Stimmung und Haltung der Gruppe.

    Umsetzung

    • Frage formulieren: „Mit welchem Wort startest du heute?"
    • Max. Einträge: 1–3 Wörter pro Person, max. 20 Zeichen.
    • QR-Code teilen: Anonyme Teilnahme ohne Nickname.
    • Live zeigen: Wolke wächst sichtbar mit jedem Eintrag.
    • Spiegeln: 2–3 auffällige Begriffe aufgreifen und in die Agenda überleiten.

    Alternative Einsatzmöglichkeiten

    • Energie-Check: „Wie kommst du gerade an?" (1 Wort)
    • Erwartung: „Was erhoffst du dir heute?" (3 Begriffe)
    • Vorwissen: „Was fällt dir zu Thema X spontan ein?"
    • Ja/Nein-Puls: Statt Wolke eine Ja/Nein-Frage zur Stimmung.

    Wie es weitergeht

    Die vier Seiten folgen dem Ablauf eines Seminartags. Du liest gerade Phase 1 von 4.

    Danach kommt

    Aktivieren

    Aufmerksamkeit zurückholen. Einen Energizer setze ich nach dem Mittag ein oder zum Start an Tag zwei.

    1. 1Einstieg & Ankommen
    2. 2Aktivieren
    3. 3Arbeiten & Sammeln
    4. 4Feedback, Reflexion & Transfer

    Warum es genau diese vier Phasen sind, steht im Überblick über meine Methodenauswahl.